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SPIRITUELLE ENTWICKLUNGSEBENEN

Es ist nicht unproblematisch, die spirituelle Entwicklung in verschiedene Stufen (1)  zu unterteilen. Zum einen besteht die große Gefahr, darin eine Wertehierarchie zu sehen, eine Versuchung, der man unbedingt widerstehen muss. Zum anderen sind die Übergänge viel differenzierter und fließender als dargestellt werden kann. Im Übrigen findet die Entwicklung durch sich immer wieder abwechselnde Fortschritte und Rückschritte nicht so linear statt, wie es durch die Schematisierung den Anschein haben könnte. Dennoch liefert dieses Schema eine grobe Kenntnis über den spirituellen Entwicklungsweg und kann als Orientierung hilfreich sein.

Weltmensch: Lebt völlig im Banne der Maya ohne Bewusstsein einer anderen Dimension; ist „hypnotisiert“ von der Illusion und den Dramen des Lebens und führt ein von Kindheits-Programmen bestimmtes mechanisches Leben; übernimmt nicht die Verantwortung für die Gestaltung des eigenen Lebens; ist geneigt, das Opfer zu spielen; „spirituelle“ Motivation allenfalls durch Schuld und/oder Angst. Die überwiegende Mehrzahl aller Menschen lebt auf dieser Stufe.

Schüler/in: Ist auf dem spirituellen Weg, erforscht esoterische Theorien mit dem Verstand, ohne Nutzen für die Erfahrungsebene; lebt vorwiegend beschränkt auf linkshemisphärische Aktivitäten (Ratio); das Ego ist noch felsenfest; spirituelle Motivation allenfalls aus dem Wunsch nach Überlegenheit.

Suchende/r: Beginnt jenseits der Domäne der Ratio nach Führung zu suchen, aber immer noch außerhalb seines Selbst – z.B. in Tarot-Karten, bei Astrologen oder Channel-Medien, mit Hilfe von Kristallen oder magischen Gegenständen etc.; ist offen für eine ganzheitliche (rechtshemisphärische) Welterfassung.

Erwachte/r: Ist ihrem/seinem Überbewusstsein, dem „höheren Selbst“ begegnet, jenem Teil in uns, der bereits erleuchtet ist; beginnt, Führung aus dieser Quelle zu erhalten; das dritte Auge ist genügend geöffnet.

Sannyasin: (2) Die unteren drei Chakras sind geöffnet, deren Thematik ist weitgehend bearbeitet, die psychischen Konflikte sind bewusstseinsfähig, die Energie fließt frei im Emotionalkörper; zunehmend ist es möglich, sich der inneren Führung anzuvertrauen.

Shivite: (3) Herz- und Kehlkopf-Chakra sind offen, männliche und weibliche Anteile im Gleichgewicht; die Kundalini ist aktiviert und sorgt für die restliche Reinigung und Entgiftung; das hohe Selbst ist die meiste Zeit gegenwärtig, während das spitzfindige Ego gegen seine drohende Auflösung kämpft.

Erleuchtete/r: Das höhere Selbst ist verwirklicht, die Wiedergeburt im Geiste vollzogen, die Seele vom (erschaffenen) reinen Geist durchtränkt; das göttliche Bewusstsein leuchtet im physischen Tempel. Aber: „Erleuchtung ist erst der Anfang“ (4).

Meister/in: Nächste Erleuchtungsstufe der Gott-Verwirklichung; das höhere Bewusstsein des Individuums verschmilzt mit dem kosmischen Bewusstsein (dem erschaffenden Geist), dem Absoluten Sein. (Diese Ebene beschreibt der Mahavatar Jesus mit den Worten: „Ich und der Vater sind eins“).

Avatar: Eine vollkommene Inkarnation Gottes. Angeblich gibt es insgesamt nur sechs Avatare auf diesem Planeten Erde. Einer von ihnen ist Babaji.

Das Eine: Das Absolute, das Alleine, jenseits aller Beschreibung, jenseits aller Vorstellung.

 

(1) Paramahansa Yogananda: Autobiographie eines Yogi. O.-W.-Barth-Verlag, 1950 (erste dt. Aufl.)

(2) der Sanskrit-Begriff Sannyasin wird ganz unterschiedlich verwendet. Hier ist ein Mensch gemeint, der sich auf der höchsten Stufe eines idealen Hindu-Lebens befindet. Allgemein bekannt ist der Begriff in Indien als Beschreibung eines der Welt entsagenden Menschen. Im Westen hat es sich eingebürgert, die Anhänger Oshos so zu bezeichnen.

(3) Shivite wird hier als Ausdruck eines bestimmten Entwicklungsstands verwendet; bezeichnet ursprünglich einen Anhänger Shivas.

(4) so lautet der Titel eines kleinen Taschenbuchs von H.M. Enomiya-Lassalle, erschienen im Herder-Verlag 1991