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MAHAVATAR BABAJI

Die Kosmische Kobra-Atmung als Herzstück des Tantrischen Kriya Yoga ist ein unschätzbares Geschenk des Mahavatar Babaji an diesen Planeten. Ein Avatar ist eine Verwirklichung göttlicher Vollkommenheit in menschlicher Gestalt. Krishna, Gautama Buddha und Jesus sind gut bekannte Avatare. Im vollen Bewusstsein ihrer göttlichen Natur lebend, bezeugen sie, welche Entwicklung für einen Menschen möglich ist. Sie sind allwissend und allgegenwärtig, erinnern sich an alle früheren physischen Inkarnationen und können über Raum und Zeit hinaus sehen bis jenseits des Ursprungs der Schöpfung. Wenn nötig, manifestieren sie sich auf Erden und bleiben ansonsten vor der Welt verborgen.

Obwohl Vollkommenheit etwas Absolutes ist, gibt es in ihrer Manifestation auf dieser Welt noch graduelle Unterschiede. Das hängt insbesondere davon ab, inwieweit die Vollkommenheit des erschaffenden Geistes Gottes nicht nur die Seele, sondern auch den physischen Leib eines Menschen durchdringt und transformiert. Die meisten Avatare sind sterblich und verlassen ihre Körper am Ende ihrer irdischen Mission. Einige wenige Mahavatare (maha = groß) erlangen den Soruba Samadhi (die physische Unsterblichkeit), einen Zustand, welcher der „Auferstehung“ Jesu nach seiner Kreuzigung entspricht. Der Leib – obwohl greifbar real – unterliegt dann nicht mehr den Gesetzen der Materie.

Eine solche unsterbliche Manifestation ist Babaji (was wörtlich übersetzt „Heiliger Vater“ heißt). In seiner letzten Inkarnation wurde er als der Junge Nagaraj im Jahre 203 n. Chr. in Südindien geboren und erlangte sehr früh Bedeutung als Gelehrter. Eingeweiht in die Mysterien des Kundalini-Yoga zog er sich in eine Höhle im Himalaja zurück, widmete sich für 18 Monate intensiven Yogapraktiken, um schließlich  „lachend über die Grenzen des Todes“ wieder aufzutauchen. Er bewahrte seine äußere Form über die Jahrhunderte hinweg, erschien einigen wenigen und berührte viele. Babaji fügte dem Kundalini Yoga seine Steigerungen hinzu und nannte ihn „Kriya“.

Da Babaji bislang vorwiegend im Verborgenen gewirkt hat, ist sehr wenig über ihn bekannt. Angeblich hat er 12 verschiedene Yogarichtungen ins Leben gerufen, darunter eine tantrische. Hier im Westen hat Paramahansa Yogananda (1893 – 1952) in seiner „Autobiographie eines Yogi“* Babaji publik gemacht und über ihn und seine Jünger berichtet – insbesondere über Lahiri Mahasaya (1828 – 1895), den Babaji in die komplette Wissenschaft des Kriya-Yoga einweihte. Aus Mahasayas Linie brachte Yogananda in den 30er Jahren den frommen (bzw. keuschen) Aspekt des Kriya-Yoga nach Amerika. Der tantrischeAspekt war für das Bewusstsein der Menschen jener Zeit zu stark und für die damaligen Konventionen noch zu provozierend**. Zum Ende dieses Jahrhunderts hin fasst die tantrische Bewegung, wenn auch in zahlenmäßig kleinem Umfang, hier im Westen zunehmend Fuß. Neuerdings bietet das Buch von M. Govindan*** ausführlichere Informationen über Herkunft, Hintergrund und Wirken Babajis.

TANTRISCHER KRIYA YOGA

Babajis Tantrischer Kriya Yoga ist eine sehr kraftvolle und wirksame spirituelle Disziplin für das neue Zeitalter. Er ist für jene gedacht, die ihr spirituelles Erwachen beschleunigen wollen. Das Wort „Kriya“ könnte man frei übersetzen mit achtsamer spiritueller Übung (Kri bedeutet „Handlung, Tat“ und Ya besagt so viel wie „Achtsamkeit“). In der Tiefe bedeutet es allerdings, dass jede Handlung vom göttlichen Geist durchdrungen und geführt sein soll (denn Ya bedeutet eigentlich, die Achtsamkeit ständig auf den unsichtbaren Gott zu richten, der das Handeln leitet und vollbringt). Dieser Yoga der Tat stellt eine „mystische Wissenschaft“ dar, denn er erzielt vorhersehbare und wiederholbare Resultate. Kriya-Techniken reinigen die Chakras, lösen Blockaden, welche die Energiekanäle (Nadis) betreffen und laden den Körper mit Energie auf. Sie führen zu körperlicher Gesundung, steigern die Gesamtvitalität und die seelische Belastbarkeit. Die Techniken bewirken eine erhöhte Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff und stimulieren die hormonproduzierenden endokrinen Drüsen. Beides vermindert den Alterungsprozess und stärkt das Immunsystem. Die bei diesen Übungen verwendete Atemkontrolle hilft den Geist zu beruhigen.

Der tantrische Kriya-Yoga verwandelt den menschlichen Körper in ein Instrument, welches die spirituelle Entwicklung unterstützt, anstatt sie zu behindern. Er ist keine Religion, kein Kult oder Glaubensbekenntnis, sondern ein integraler Lebensweg, der zu ganzheitlicher Entwicklung führt – physisch, seelisch und geistig.

Die universelle Lehre des Kriya-Yoga „Einheit in der Vielheit“ beinhaltet Toleranz gegenüber allen Religionen. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn die hier verwendeten Vorstellungen und Begriffe aus dem Hinduismus mit der ursprünglichen (unverfälschten) christlichen Botschaft unserer Kultur übereinstimmen.

*      Paramahansa Yogananda: Autobiographie eines Yogi. O.-W.-Barth-Verlag, 1950 (erste dt. Aufl.)

**    zit. nach einem Informationsblatt von Tantrika International, das als Anregung zu der hier vorliegenden Schrift gedient hat: Tantrika International, 23 Gentry Court, Annapolis, MD 21403-1075,USA

***   Marshall Govindan: Babaji. Kriya Yoga und die 18 Siddhas. H.-Nietsch-Verlag, 1996 (erste dt. Aufl.)