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SHIVA UND SHAKTI

Die aus der jüdisch-christlichen Tradition stammende Aufspaltung in Gott und Teufel (bzw. Himmel und Hölle) und die damit einhergehende Wertung (gut und böse) ist dem Yoga eher fremd. Die im Indischen existierende Polarität wird Shiva und Shakti genannt. Hierbei handelt es sich ebenfalls um Personifizierungen. Shiva (männlich) und Shakti (weiblich) sind jedoch ein Paar. Es wird also mehr der verbindende und ergänzende Aspekt betont als der trennende und gegensätzliche. Schon allein die Verwendung dieser für uns weniger besetzten Begriffe kann einen neuen Blick und eine andere Haltung ermöglichen. Shiva (wörtl.: der „Gütige“, verehrt als eine oberste Gottheit der Hindu-Trinität) steht hierbei für die kosmische Energie, für Bewusstsein, für das Erschaffende, für das Ewige, das transzendente Absolute etc. Seine „Gemahlin“ Shakti (wörtl.: die „Kraft“, verehrt als die „göttliche Mutter“) symbolisiert die Energie und die Erscheinungen der Erde, des Naturhaften und des Körperlichen, also die Urenergie und alles aus ihr Geschaffene. Yoga (von yuj,was soviel wie „sich verbinden, sich verheiraten“ heißt, lateinisch: iungere), ist nun eine Praxis, mit welcher der Mensch lernt, jene beiden Pole in sich zu verbinden (siehe die heilige Hochzeit, die „unio mystica“) und die Dualität zu überwinden. Das Wort Yoga leitet sich von dem altindischen Yuga ab, was ursprünglich Joch bedeutet und hier die Unterjochung des Geistes im Körper meint. Yoga steht für eine Selbstdisziplin, die den Geist aus diesem Joch befreit. Dies gelingt mit Hilfe des Erweckens der Kundalini (ein Grundanliegen jeder Yogadisziplin).

Anmerkung: Das hinduistische Pantheon besitzt eine für uns unüberschaubare Flut mythologischer Gestalten und Geschichten, die zu kennen für eine erfolgreiche Yoga-Praxis nicht unbedingt erforderlich, mitunter sogar hinderlich ist. Eine unreflektierte Übernahme solcher Traditionen kann bei mangelndem Bewusstsein und Verständnis für die enthaltene Symbolik zu einer rein exoterischen Praxis oder gar zum Aberglauben verkommen (s. die katholischen Heiligen).